Leonhard Kentsch beendet seine aktive Karriere als Beobachter. Und das nach 50 Jahren als Schiedsrichter. Bei seinen Beobachtungen ging es immer um die Sache.

Text: Fabian Slomka
Beitragsbild (v.l.n.r.): Dalibor Guzijan, Kevin Domnick, Torsten Schwerdtfeger, Leo Kentsch.

Mittwoch 21:15 Uhr am 26. Mai 2021. Schiedsrichter Kevin Domnick beendet die Regionalligapartie zwischen Preußen Münster und Rot Weiß Oberhausen. Während er mit seinen Assistenten Torsten Schwerdtfeger und Dalibor Guzijan in der Kabine das Spiel besprechen und anschließend den Spielbericht ausfüllen wird, werden auf der Tribüne die letzten Notizen zusammengefasst. Ein letztes Mal, zumindest in offizieller Funktion. Die Rede ist vom Essener Schiedsrichter Leonhard „Leo“ Kentsch. Leo hatte an diesem Abend sein letztes Spiel als Schiedsrichterbeobachter. Nachdem er im Jahre 1992 nach gut 21 Jahren seine Pfeife an den Nagel gehangen hat, folgen nun Stift und Notizblock.

Schiri seit den 1970ern

Leo begann seine Karriere als Schiedsrichter Anfang der 70er Jahre. Nach einigen Jahren ging es sogar bis ins deutsche Fußballoberhaus. Seine letzte Saison als aktiver Schiedsrichter bestritt er als Assistent in der Bundesliga mit Hans Jürgen Weber und Klaus Plettenberg. Das war 1992. Vom Rasen ging es dann direkt auf die Tribüne als Beobachter, weiterhin im DFB Bereich. Nach einigen Jahren stand ein Personalwechsel im Beobachtungswesen an, sodass Leo nicht mehr im DFB beobachtete. Er nutze die Gelegenheit für eine Pause.

Neben vielen Tätigkeiten im Kreisschiedsrichterausschuss u.a. als Jungschiedsrichterreferent und Beisitzer, war es eben sein alter Kollege Hans Jürgen Weber, der ihn Anfang der 2000er Jahre wieder als Beobachter akquirieren konnte. Neben dem Beobachtungswesen im Kreis und im FVN war Leo auch im Westdeutschen Fußballverband unterwegs. Er beobachtete neben der damaligen Profi-Regionalliga noch die A- und B-Jugend Bundesliga. Auch in der Frauenbundesliga war er präsent.

Sein Ziel: Schiris helfen

Die Tätigkeit als Beobachter machte ihm immer sehr viel Spaß, brachte aber auch Arbeit mit sich. Manchmal mehr, manchmal weniger. Dies hing immer vom Spielverlauf und der gezeigten Leistung der Schiedsrichter*Innen ab. „Es gab Spiele, bei denen ich bis drei Tagen nach dem Spieltag Zeit benötigte, um die richtigen Gedanken in einem Bogen verfassen zu können“, sagt Leo. Dabei lag sein Fokus immer auf der Möglichkeit den Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin in seiner oder ihrer Spielleitung besser machen zu können.

Ein besonderes Highlight für mich war es, die Kollegen Sören Storks und Sascha Stegemann in ihren ersten Regionalligaspielen zu beobachten und zu coachen“, erzählt Leo. Beide Schiedsrichter sind mittlerweile in der Bundesliga etabliert.

Obmann Torsten Schwerdtfeger überreichte Leo nach seiner letzten Beobachtung ein Dankeschön

Es geht um die Sache

Während für Leo immer die Förderung im Fokus stand, kam dies auch immer gut bei den beobachtenden Personen an. Unterhält man sich mit ihnen und fragt was Leo ausgemacht hat, hört man immer eins: Seine offene und ehrliche Art. Es wurde nicht viel umschifft, es ging immer um die Sache.

Nun ist nach genau 50 Jahren Aktivität im Schiedsrichterwesen für ihn Feierabend. Er wollte den Zeitpunkt dabei immer selbst bestimmen und nicht durch eine Altersgrenze etc. zu einem Ende bewegt werden. Für ihn persönlich pass es: „Ich habe mit genau 50 Jahren als Schiri einen runden Abschluss gefunden“. Eine stolze Zahl vor der man sich auf keinen Fall verstecken braucht.

So ganz wird er natürlich nicht von der Bildfläche verschwinden. Er ist immer noch in der Verbandsspruchkammer aktiv und wird weiter auf den Fußballplätzen präsent sein. Nur nicht mehr in offizieller Funktion.

Leo, wir wünschen dir für deine Zukunft alles Gute und Verneigung uns für deine geleistete Arbeit. Wir sehen uns auffem Platz!